„Das kann ich ja gleich noch einmal schreiben“, denkt man häufig verdrossen bei der ersten Korrektur des Manuskripts. Tatsächlich ist genau das ein Korrekturansatz, der neuerdings viele Menschen begeistert.

Natürlich ist es selbstverständlich, dass man Teile löscht und anders formuliert, doch bei dieser Strategie beginnt man noch einmal ganz von vorne: Mit einem leeren Blatt Papier.

Das ganze funktioniert so: Man öffnet den fertigen ersten Entwurf (oder hat ihn ausgedruckt neben dem Laptop liegen) und beginnt dann mit einem leeren Dokument.

Allerdings ist das Ziel nicht Satz für Satz abzuschreiben, sondern neu zu formulieren. Das ursprüngliche Dokument dient nur als grobe Richtlinie.

Zugegeben ich war skeptisch, als ich davon gelesen habe, aber ich wollte es zumindest ausprobieren und habe mein ohnehin noch unkorrigiertes zweites Buch als Testobjekt verwendet.

Nach inzwischen hundert Seiten, die ich auf diese Weise korrigiert habe, kann ich sagen: Es nimmt definitiv Hemmungen. Wo ich vorher versucht habe wenigstens einen Teil einer verkorksten Szene zu retten, kann ich plötzlich ganz frei und wesentlich einfacher neu schreiben.

Besonders bei schwereren Logikbrüchen oder Plotfehlern ist es hilfreich mehr Freiheiten zu haben.

Gleichzeitig zieht sich das Ganze allerdings auch teilweise unnötig in die Länge. Man verbringt vergleichsweise viel Zeit damit, eine Szene ohne große Korrekturen möglichst nahe am Original zu rekonstruieren. Bei kleineren Änderungen ist es eher hinderlich und nervig.

Außerdem sollte man, wenn man diese Methode anwendet, bereits einen Überblick haben, wo sich die Fehler befinden, da man sonst im Neuschreiben leicht den Überblick verliert.

Alles in Allem hat mich das alles Neuschreiben nicht wirklich überzeugt. Nach einer Weile bin ich zu einer abgeschwächten Methode übergegangen: Ich arbeite noch immer mit dem ehemals leeren Dokument und schreibe Szenen, in denen Logikbrüche etc. vorkommen neu. Wenn allerdings nur kleinere Korrekturen anfallen, kopiere ich den Text einfach vom Originaldokument und korrigiere dann die ursprüngliche Szene bloß im neuen Dokument.

Habt ihr schon mal versucht einen Text einfach ganz neu zu schreiben? Wenn ja wie fandet ihr es?

Denkt dran, jeder Schreibtag ist ein guter Tag, also schreibt.

Linnea