Auf meinen Reisen durch Geschichten ebenso wie durch Begegnungen mit inzwischen unzähligen Jungautoren und begeisterten Schreiberlingen gab es eine Frage, die mich nie ganz losgelassen hat. Die es nach all den Jahren und den zigtausend Wörtern, die zwischen mir und meiner ersten Geschichte liegen, immer noch an mir nagt.

Bin ich eigentlich ein Schriftsteller? Ein Autor? Jemand der weiß, was er oder sie tut?

Wie heißt es so schön

„A professional writer is an amateur who didn’t quit“

-Richard Bach

Aber wann ist der Zeitpunkt erreicht, ab dem man mit Fug und Recht behaupten kann: „Ja, ich bin Schriftsteller“ ohne sich dabei aufgeblasen und seltsam vorzukommen?

Früher dachte ich immer, dass wäre der Fall, wenn ich mein erstes Manuskript fertig gestellt hätte, später dann nach der ersten Korrektur und immer so weiter.

Klar, Autor ist per Definition jeder, der ein Buch veröffentlicht hat, aber es ist schwer den Begriff Schriftsteller wirklich zu definieren. Manchmal, wenn ich ein paar Wochen nicht geschrieben habe, stellt sich das Gefühl ein, ich wäre noch nicht einmal annähernd an dem Punkt angekommen, mich als Schreiber oder wie auch immer man es nennen mag brüsten zu dürfen. In anderen Wochen habe ich manchmal sogar das Gefühl, es geschafft zu haben. Aber wenn mich jemand fragt? Da sage ich nicht „Ich bin Schriftstellerin/Schreiberin/Ja, verdammt ich schreibe“ sondern eher „ja, also ich schreibe Texte, Gedichte und Romane“. Ich nenne mich auch nicht Poetry Slammerin nur weil ich inzwischen ein paar Mal pro Monat auf kleinen Bühnen stehe, einfach weil sich das für mich nicht richtig anfühlt. So als würde ich damit die großen mit ihren dreihundert Auftritten pro Jahr etwas wegnehmen.

Seit einer Weile habe ich mich nun gefragt, ob es sich dabei um ein Phänomen der jungen Menschen beziehungsweise Schreiberlinge handelt. Ob es damit zusammenhängen kann, dass man uns mit Sätzen wie „Für dein Alter ist das wirklich schon echt gut“ verhätschelt hat, nur um gleichzeitig dabei zu verdeutlichen, dass man eben nicht zu den Großen gehört.

Und das Interessante ist: Ich bin nicht auf eine Person gestoßen, die sich selbst als Schriftsteller oder Autor bezeichnen würden, obwohl manche so wie ich bereits Texte und Kurzgeschichten veröffentlicht haben.

Als ich nach dem Grund fragte, wurde es schwieriger. Für manche stand es einfach fest, andere meinten, es hinge mit der Veröffentlichung des ersten Romans zusammen, des Manuskripts, auf das man stolz sein könne.

Aber wer sind wir dann überhaupt, bevor wir etwas veröffentlicht haben? Ist all der Schmerz, die Arbeit und die Aufopferung am Ende nichtig, nur weil man dem eigenen Geschrieben noch nicht vertraut? Oder gibt es eine Andere Bezeichnung für Menschen wie uns, was meint ihr?


Eure Linnea

Und vergesst nicht: Jeder Schreibtag ist ein guter Tag, also schreibt!