Luan Elin ist der Künstlername der jungen Bühnenpoetin Franka aus Ravensburg. In ihrer Heimatstadt besucht sie momentan die 11. Klasse eines Gymnasiums und steht seit knapp drei Jahren unter anderem für den Verein sprachmächtig e.V. auf der Bühne. Dort leitet sie auch Schreibtreffen für interessierte Jugendliche. Außerdem nimmt sie in Kooperation mit der Schwäbischen Zeitung Podcast Folgen auf.

Inzwischen bereist du ja schon seit einigen Jahren die deutschen Bühnen, deine Texte im Gepäck. Aber wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?

Geschrieben habe ich eigentlich schon immer, einfach so für mich und ganz im Privaten, nicht mal Freunde haben meine Texte gehört geschweige denn gelesen. Aber in Wirklichkeit hat alles damit angefangen, dass ich Anfang der neunten Klasse einen Schreibworkshop von Großraumdichten besucht habe.

Diese Workshops werden von unserem Verein kostenlos für Schulklassen angeboten. Im Anschluss gibt es einen erweiterten Workshop, um weiter an einem Text zu arbeiten, individuell auf Schüler*innen einzugehen oder an der Bühnenpräsenz zu arbeiten. Dieser Workshop setzt sich aus interessierten Schüler*innen aller Klassenworkshops zusammen. Am Ende des Tages gibt es für diese die Möglichkeit an einer Lesebühne teilzunehmen.  Letzen Endes wurde ich auf dem Klassenworkshop angesprochen, ob ich denn nicht Lust hätte an dem erweiterten Workshop teilzunehmen und so bin ich dann irgendwie auf der Bühne gelandet.

Danach bin ich probeweise zu einem der Schreibtreffen gegangen und hab Gefallen an dem Ganzen gefunden. Wenige Monate danach stand ich am Weltfrauentag das erste Mal mit einem Auftragstext auf der Bühne. Alles Weitere entwickelte sich dann irgendwie.

Worum geht es in deinen Texten?

Meistens sind meine Texte eher nachdenklich und emotional. Oft schreibe ich über Situationen und Dinge, die ich gerne besser verstehen würde. Eine Frage, die mich häufig beschäftigt, ist, warum Menschen handeln wie sie es tun. Das Schreiben hilft mir, mit Situationen besser umzugehen oder mein Gegenüber besser zu verstehen.  Erst vor kurzem habe ich Auftragstexte über Europa und die Demokratie oder eben einen passend zum Weltfrauentag geschrieben. Die Themen variieren. Ich möchte meine Position auf der Bühne nutzen, um die Welt ein bisschen besser zu machen, indem ich versuche, Menschen eine Stimme zu geben, die selbst nicht die Möglichkeit dazu haben.

Wann und warum hast du dir einen Künstlernamen gegeben?

Vor zwei Jahren habe ich mich dazu entschieden, mir einen Künstlernamen zu zulegen. Warum? Ganz einfach: Aus dem Grund der Anonymität. Zuerst fand ich es unangenehm in der Öffentlichkeit zu stehen, da man ja auf der Bühne sozusagen nackt ist. Man macht sich angreifbar. Durch den Künstlernamen schaffe ich eine fiktive Person und verliere somit Angriffsfläche auf meine private Person.

Aber es gab schon mal den Fall, dass sich Extremisten zu einer Demokratieveranstaltung angemeldet haben. Und da ich öffentlich politisch Stellung beziehe, ist der Künstlernamen mittlerweile ein Schutz meiner Privatperson, vor allem da einer meiner Freunde bereits wegen seiner politischen Meinung angefeindet und verfolgt wurde. Denn es ist trotzdem wichtig, gegen Rassismus und Diskriminierung von Minderheiten aufzustehen und zu kämpfen.

Und wie reagiert dein Umfeld drauf?

Mein Umfeld akzeptiert das voll und ganz. Ich bekam nur positives Feedback bezüglich des Künstlernamens. Bisher kamen ausschließlich Menschen auf mich zu, die meine Entscheidung nachvollziehen wollten und deshalb Fragen an mich hatten.

Was steckt hinter dem Künstlernamen? Warum gerade Luan Elin?

Da man auf der Bühne sein kann, wer man möchte, habe ich mich für zwei nonbinäre Namen entschieden. Diese habe ich dann einfach aneinandergereiht und so für mich das Passende gefunden. Dennoch soll der Name auf dem U betont werden mit einem weichen A, so wird die weibliche Form letzten Endes ausgesprochen.

Im Nachhinein musste ich aber leider feststellen, dass viele scheinbar große Schwierigkeiten mit der Aussprache des Namens haben. So hieß ich auf einem Slam schon Lua, obwohl der Moderator fünf Mal nachgefragt hat.

Viele wissen auch im ersten Moment nicht wie sie den Namen betonen sollen, deshalb schreibe ich mittlerweile oft in Mails das Pronomen „sie“ dazu.

Trennst du Künstler- und echtes Ich bewusst?

Zu Beginn nicht, aber da war es auch noch zu neu und es war gewöhnungsbedürftig, anders genannt zu werden. Mittlerweile habe ich die Anonymität sehr schätzen gelernt. Wenn es Menschen interessiert, habe ich aber keinerlei Problem in einem kleineren Rahmen darüber zu sprechen, wie ich wirklich heiße. Es kommt aber immer auf das Gegenüber an.

Wirst du ihn auch bei zukünftigen Projekten beibehalten?

Auf jeden Fall! Ich bin mit dem Namen jetzt in der Stadt etwas bekannt geworden, es würde nur für Verwirrung sorgen, meinen Namen nicht beizubehalten. Aber ich finde es mittlerweile sehr angenehm Öffentlichkeit und Privatleben zu trennen.