In den letzten Beiträgen habe ich mich bereits viel mit Kritik beschäftigt und damit, wie man Kritik annehmen kann. Nun ist es aber nicht immer so, dass die Kritik eines Lesers hilfreich ist. Ob das beabsichtigt ist oder nicht, sei mal dahingestellt.

Ein Beispiel: In letzter Zeit habe ich auf Instagram eine spannende Diskussion beobachtet, bei der es darum ging, dass einige Autoren auf negativen Rezensionen nicht markiert werden möchten. Einerseits kann ich das natürlich verstehen, denn ich würde mir es wahrscheinlich selbst nicht anhören wollen, andererseits wäre ich zu neugierig um mir diese Meinung entgehen zu lassen.

Die Sache ist nämlich die: Ob eine Kritik konstruktiv ist oder nicht, entscheidest letztendlich du selbst. Generell gilt aber, dass alles, was gegen den Großteil der „guten-Feedback-Regeln“ verstößt, kaum konstruktiv sein kann. Auch Kritik die gegen den Verfasser selbst geht oder einfach den kompletten Text in den Dreck zieht, ist keine konstruktive Kritik.

Aber wie geht man damit um?

Ich selbst habe das schon unzählige Male auf Plattformen erlebt, auf denen ich zum Beispiel Kurzgeschichten gepostet habe. Über gute Kritiken, sowie konstruktive Anregungen habe ich mich immer gefreut, schließlich konnte ich mich so verbessern, auch wenn ich machmal erst einmal schwer schlucken musste, wenn ich sie gelesen habe. Allerdings musste ich mir von Zeit zu Zeit Dinge wie „Das ist ja schlecht“ und „von vorne bis hinten langweilig und undurchdacht“ anhören. Keinerlei Verbesserungsvorschläge, einfach nur ein Satz darüber, dass es nicht gut war. Dabei wurde das Ganze so allgemein formuliert, dass man meinen könnte, es wäre grundsetzlich festgelegt und nicht die persönliche Meinung des Verfassers. Aber was macht man, wenn man so etwas lesen muss?

Nun ja, ich hatte vermutlich nicht die beste Strategie und habe mich furchtbar aufgeregt, bis Jana schließlich einige Texte von ebenjenen Kritikern fand und mir damit zeigte, dass sie auf demselben Niveau schrieben wie ich. Heute bin ich dazu übergegangen, Nachrichten wie jene, die ich beschrieben habe, einfach wegzulegen. Das bedeutet, dass ich eine Schublade in meinem Kopf habe und da kommt der ganze nicht hilfreiche Kram rein. Sätze wie „Wer will denn das lesen?“ helfen nicht dabei, seine Fähigkeiten zu verbessern, sondern lassen bei den nächsten Texten nur mehr Zweifel als zuvor schon da waren. Also weg damit.

Auch bei der Autorendiskussion ging es einigen ähnlich: Sie erklärten, dass sie dadurch beginnen würden, an sich selbst zu zweifeln. Ein Statement hat mich besonders beeindruckt. Darin wurde gesagt, dass diese Kritik für interessierte Leser wichtig sei, dem Autor aber in dieser Situation nicht weiterhilft.

Letztendlich ist also das Wichtigste herauszufinden, ob du mit dieser Kritik etwas anfangen kannst. Das bedeutet auch, dass du manchmal selbst gute Kritik für eine Weile beiseite legen musst, wenn du dich nicht bereit fühlst damit umzugehen. Ebenfalls hilfreich ist dafür sich darüber klarzuwerden, wie man das eigene Projekt empfindet. Viel zu oft gerät man sonst in Situationen, in denen man sich ungerechtfertigt angegriffen fühlt. Ja, es war eine Menge Arbeit ein Manuskript zu verfassen und ja, da stecken eine Menge Schweiß, Tränen und Herzblut drin, aber perfekt ist der erste oder zweite, manchmal auch der hundertste Entwurf trotzdem nicht. Man selbst hat sich so viel mit dem Geschriebenen auseinandergesetzt, dass man blind geworden ist für Fehler. Ein frischer Wind und einige Veränderungen können dabei also gut tun. Denn nichts, was man auf Papier gebannt hat, ist in Stein gemeißelt. Nur weil man Änderungen durchführt ist die Geschichte ja nicht weniger die Eigene.

Häufig ist besonders die erste Kritik schwer zu ertragen, da man ohnehin nervös ist und sich Sorgen macht, was andere von dem Text halten könnten.

Zusammengefasst gilt also: Lies die Kritik, finde heraus, ob sie für dich nützlich ist oder nicht. Wenn ja, dann super! Du kannst mit ihrer Hilfe dein Projekt verbessern und hast einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Wenn nicht, dann nimm sie dir nicht allzu sehr zu Herzen, leg sie zur Seite und mach trotzdem weiter. Der Erfolg eines Schreiberlings beruht schließlich einzig und allein auf einer Sache: Er schreibt immer und immer weiter.

Denn denk daran: Jeder Schreibtag ist ein guter Tag, also schreib!

Eure Linnea